Event WLAN mit Freifunk

Barcamp Logo
Seit einigen Jahren sponsert und betreibt teamix auf dem Nürnberger Barcamp das WLAN und auch dieses Jahr kamen die Organisatoren wieder auf uns zu. Selbstverständlich standen wir wieder mit Hardware und Mannschaft zur Verfügung. Doch dieses Jahr waren wir mutig und versuchten einen neuen Ansatz.
Die letzten Jahre bestand unser Setup komplett aus Juniper Hardware. Eine Branch-SRX als Gateway zum Internet, Controller-basiertes WLAN mit einem WLC, zwei bis drei EX2200 Switches für die Stromversorgung per PoE und eine große Kiste voller WLA321 als Access Points, meterweise Netzwerk-Kabel und ein paar Rollen Duct Tape. Alles in allem genug Hardware um ein mittelgroßes WLAN Projekt zu stemmen – wenn man den Listenpreis zu Grunde legt, Hardware etwa im Wert eines Kleinwagens. Ein perfektes Setup für dauerhafte Installationen, doch aber ein hoher Arbeitsaufwand für ein Wochenende Betriebszeit.

#bcnue7Unser Ansatz dieses Jahr – und ich darf spoilern: es ging voll und ganz auf – war das WLAN mit Freifunk zu realisieren. Freifunk ist ein freies Bürgernetz auf Basis der WLAN-Technologie. Freie Netze werden von immer mehr Menschen in Eigenregie aufgebaut und gewartet. Jeder Nutzer im Freifunk-Netz stellt seinen bzw. einen WLAN-Router den anderen Teilnehmer für den Datentransfer zur Verfügung. Im Gegenzug kann er oder sie ebenfalls Daten, wie zum Beispiel Text, (freie!) Musik und Filme über das interne Freifunk-Netz übertragen oder über von Teilnehmern im Netz eingerichtete Dienste Chatten, Telefonieren und gemeinsam Online-Spiele spielen. Technisch realisiert ist dies durch eine angepasste, quelloffene Firmware auf Basis von OpenWRT und „Plastik-Router“ die ein gemeinsames Mesh-Netzwerk bilden.

18270335551_6cc4f12391_zSpeziell für Events in unbekannten oder schlecht verkabelten Gebäuden ist die Mesh-Bildung Gold wert, denn man spart sich (fast) die komplette Verkabelung der Access Points und damit sowohl wertvolle Zeit als auch Klebeband. Jeder Spot der an das Internet angebunden wird baut eine VPN Verbindung auf durch die sämtlicher Traffic der Benutzer geleitet wird. Jeder weitere Spot der in Funkreichweite ist, bildet automatisch eine Verbindung zu allen anderen Access Points in Reichweite und vergrößert somit den ausgeleuchteten Bereich. Benötigt wird lediglich Strom um das Gerät zu betreiben.

Mesh Netzwerke im AufbauDer Mesh Mechanismus bringt neben dem einfachen Aufbau einen weiteren Vorteil: das Netzwerk arbeitet weitgehend selbstheilend und läuft daher extrem zuverlässig. Fällt ein Knoten aus, wird abgeschaltet oder umgezogen, oder bricht eine Verbindung zwischen zwei Knoten zusammen, wird der Traffic auf die verbleibenden Verbindungen verschoben. Das Netzwerk bleibt betriebsfähig so lange mindestens eine Verbindung aufrecht gehalten werden kann.

Für solche Unkonferenzen wie das Barcamp, bei dem sich in regelmäßigen Abständen viele Menschen von einem Raum in einen anderen bewegen und sich damit die Signaldämpfung ständig ändert, kann die Mesh Technologie mit dem robusten Betrieb glänzen. Prinzipbedingt wäre das mit einer kabelgebundenen Lösung wie die der letzten Jahre natürlich vergleichbar bzw. deutlich robuster, da kein shared medium wie Luft für den Transport genutzt wird, sondern eine definierte Ressource – das Kabel. Doch die Kabel müssen verlegt werden. Ebenfalls sind kabelgebundene Lösungen „sparsam“ bei der sogenannten Air Time, also der Nutzung der verfügbaren Funkfrequenzen pro Zeit. Sind viele WLAN Access Points in der direkten Nähe ist die Kabel-Lösung generell vorzuziehen. Aruba Networks, unser Partner für WLAN Projekte, bietet übrigens ebenfalls Mesh-fähiges Equipment an. Sprechen Sie unseren Vertrieb an!

Freifunk verbindet! von Philipp Seefeldt auf Vimeo.

Und um noch ein paar Zahlen zu nennen: In der Grundig Akademie konnten wir die gesamte für das Barcamp genutzte Fläche mit vier Access Points ausleuchten – Hardware im Wert von etwas über €60,-. Zeitweise waren an den vier Access Points in Summe 120 Geräte angemeldet und haben die gesponserte aDSL Leitung ausgelastet. Vermutlich war damit in etwa die Lastgrenze der Installation erreicht, denn sowohl die verwendete Consumer Hardware, die VPN Verbindung, die Anbindung der Spots per Funk als auch die aDSL Leitung, nichts davon ist für übermäßig viele Nutzer oder große Bandbreiten konzipiert.

Mehr Bilder vom 7. Nürnberger Barcamp gibt’s bei Michi0911 auf Flickr – vielen Dank für die Genehmigung die Bilder nutzen zu dürfen.

Sebastian Laubscher

Sebastian arbeitet seit Sommer 2013 für teamix als Senior Consultant und Trainer. Seine Kompetenzen liegen in den Bereichen Netzwerktechnik und Unix-/Linux Administration, speziell im Bereich der Automatisierung mit Puppet. Vor der Zeit bei teamix war er für einen großen deutschen ISP tätig.

 
Kommentare

Für mich eine der interessantesten Sessions des BarCamps

Inzwischen hatte ich schon Twitter Kontakt zur meiner regionalen Freifunk Community. Am Montag bekomme ich meinen Router und dann gehts los!

Auch wenn es für mich eigentlich nur Unkosten sind und es von meiner Wohnlage her wenig sinnvoll sein wird probiere ich es einfach mal.
Einfach mal nur um bei der Sache dabei zu sein

Hi Robert,

danke für das Feedback. Freut mich, daß es Dir gefallen hat.
Und zur Wohnlage und der Frage nach der Sinnhaftigkeit: am Ende hilft der Community jeder Knoten der aufgestellt wird. 🙂

Viel Spaß beim freifunken!
Sebastian

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